![]() | Wir danken Herrn Dr. Harald Seehausen (langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter der Regionalen Arbeitsstelle des Deutschen Jugendinstituts in Frankfurt und Initiator zahlreicher Kooperationsprojekte zwischen Wirtschaft und Jugendhilfe) für die Bereicherung der Diskussion in familien-willkommen zum Thema "Väter". | |
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| Chancengleiche Personalpolitik und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tragen zur Überwindung der "Unsichtbarkeit" der Väter in der Familie und am Arbeitsplatz bei. Allmählich setzt sich die Einsicht durch, daß gleiche Chancen für Frauen und Männer gesell- schaftlich und wirtschaftlich für alle vorteilhaft sind. Die Entwicklung eines neuen männlichen Leitbildes gilt zukünftig als ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskultur. Damit muß eine gezielte betriebliche Familienpolitik über Effizienzbetrachtungen hinausgehen. Die sozialen Ressourcen der Familie lassen sich nicht beliebig belasten. Partnerschaft und Kinder bilden für eine Gruppe jüngerer und gut qualifizierter Männer einen bedeutsamen Orientierungspunkt ihres Lebens. Die Zahl der Männer wächst, die nicht mehr an einer lebenslangen ununterbrochenen Vollzeitbeschäftigung interessiert ist. Immer weniger Männer sind bereit, den üblichen Karrierepreis dafür zu zahlen. Väter jüngerer Kinder wünschen sich mehr Zeit für gemeinsame Aktivitäten mit ihren Kindern und Familien. Erwerbstätige Männer sind mit der Geburt des ersten Kindes besonderen Herausforderungen und Belastungen unterworfen. Die Notwendigkeit eines höheren Finanzbedarfs kann bei ihnen die Bereitschaft zur Mehrarbeit fördern. Gleichzeitig wächst der Zeitbedarf für die Haus- und Erziehungsarbeit. Belastungen und Konflikte verschärfen sich, wenn die Partnerin ihr Recht nach frühzeitiger Rückkehr ins Berufsleben realisiert. Ein großer Koordinations- und Abstimmungsbedarf folgt, weil vielerorts zum Beispiel die Arbeitszeiten nicht mit den Betreuungszeiten von Tageseinrichtungen synchronisiert sind. Diese Schlüsselsituation stellt zahlreiche Väter vor schwierige Entscheidungen. Das Projekt "Betriebliche Förderung von Kinderbetreuung" kommt zu dem Ergebnis, daß eine familienorientierte Personalpolitik als mittel- und langfristige Investition in die Leistungs- und Innovationsbereitschaft der Beschäftigten zu bewerten ist. In einer Reihe von Unternehmen und Kommunen wird gegenwärtig über neuere Ansätze familienfreundlicher Rahmenbedingungen nachgedacht, die dem Gesichtspunkt der Vereinbarkeit von Beruf und Familie stärker als bisher Rechnung tragen. Neue personalwirtschaftliche Konzepte erweitern die positiven Entwicklungsmöglichkeiten bei Männern, um die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung zugleich mit der Qualität der Arbeitsbeziehungen im Unternehmen zu sichern und zu steigern. Die Zukunftswerkstätte "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf - eine Herausforderung für Männer und Väter", eine Kooperation zwischen dem Frankfurter Innovationsbüro des Deutschen Jugendinstituts und der Flughafen Frankfurt Main AG, weiterer Firmen sowie der Jugendhilfe und Kinderpolitik, entwickelt Visionen und Perspektiven für eine zukunftsorientierte Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Ein kleiner Ausschnitt aus der Ideensammlung: Zur Geburt eines Kindes wird Vätern übertariflicher Vaterschaftsurlaub gewährt; Väter können Gleitzeit und flexible Arbeitszeit nutzen, um kranke Kinder zu versorgen; während der Schulferien dürfen Väter ihre Kinder mit in den Betrieb nehmen; der Betrieb ermöglicht es Männern, Arbeitszeiten mit ihren Partnerinnen abzustimmen, um die wechselseitige kinderbetreuung zu gewährleisten; der Betrieb arbeitet mit Kinderbetreuungseinrichtungen in Fragen flexibler Öffnungs- und Betreuungszeiten zusammen. Darüber hinaus geht es um die Neugestaltung sozialstaatlicher Steuerungsinstrumente wie Umbau des Erziehungsrechts, Gleichberechtigung im Familienrecht, Abschied vom Alleinverdienermodell als Grundlage des Steuer- und Rentenrechts sowie die Vernetzung mit sozialen Diensten der Kinderbetreuung. Die Frankfurter Frauendezernentin Sylvia Schenk fordert in ihrem viel beachteten und kontrovers diskutierten Thesenpapier "Das Ende der Frauenpolitik - aber das ist erst der Anfang" zu einem Perspektivenwechsel in der Frauenpolitik auf. Eine zukunftsorientierte Gleichstellungspolitik der Geschlechter müsse sich stärker an die Männer wenden. Hier zeichnet sich ein neues Bündnis für Gleichberechtigung ab. Unbestritten bestehen Interessengegensätze zwischen Männern und Frauen fort. Das Recht von Frauen auf Chancengleichheit im Erwerbsleben wird sich jedoch nur in dem Maße verwirklichen, wie es gelingt, Männer auch für die Aufgaben im Familienleben zu gewinnen. Dr. Harald Seehausen, Frankfurter Rundschau vom 13.01.1999 | ||
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